Haben Sie mit japanischen Kunden, Zulieferern oder Kollegen zu tun? Dann sollten Sie unbedingt eine Reihe sozialer und Kommunikationsregeln berücksichtigen, wenn Ihre Beziehung erfolgreich sein soll. Wenn Sie eine Übersetzung aus dem Japanischen oder ins Japanische benötigen, gibt es ebenfalls einige wichtige Punkte, derer Sie sich bewusst sein sollten.

Japan ist heute sehr gefragt. Der Tourismus in Japan ist auf einem absoluten Rekordkurs. Der wirtschaftliche Ausblick des Landes für 2017 ist herausragend. Und 2020 ist Japan Gastgeber der olympischen Sommerspiele. Das Land wird also in den kommenden Monaten und Jahren sehr viele westliche Gäste begrüßen.

Kreuzung

Bei Yamagata Europe begeistert uns diese Entwicklung natürlich sehr. Da wir für ein Unternehmen arbeiten, das seine Wurzeln in Japan hat, kennen wir natürlich die Herausforderungen, Stolpersteine und Eigenheiten der japanischen Kultur nur zu gut. Darum haben wir ein paar Tipps für Sie, die Ihnen helfen können, die japanischen kulturellen und linguistischen Barrieren zu überwinden.

1. Machen Sie sich mit den sozialen Regeln vertraut

In Japan sind einige Dinge offensichtlich anders. Nehmen Sie zum Beispiel die traditionelle Kleidung oder die extrem kleinen Zimmer der Kapselhotels. Aber der Umgang mit den Dingen, die man nicht auf den ersten Blick bemerkt, die sozialen Benimmregeln, ist schwieriger. Typisch für das japanische Verhalten ist die Pünktlichkeit und Höflichkeit. Zum Beispiel sieht man es nicht gern, wenn jemand zu spät zu einer Besprechung kommt, ebenso wenig wie das Naseputzen in der Öffentlichkeit, das Zeigen mit dem Finger oder das Telefonieren mit dem Mobiltelefon in der Öffentlichkeit.

Möchten Sie noch ein paar Beispiele? Japaner begrüßen sich gegenseitig mit einer Verbeugung. Je tiefer sie sich verneigen, desto mehr Respekt (oder Entschuldigung) bringen sie dem Gegenüber entgegen.

Das Austauschen von Visitenkarten erfolgt mit zwei Händen und wenn es während einer Besprechung möglich ist, legen Sie die Visitenkarte vor sich auf den Tisch. Man tauscht die Karten immer zuerst mit der ranghöchsten Person aus. Schreiben Sie nicht auf die Karten und stecken Sie sie nicht in die Tasche oder ein Etui, da das als respektlos angesehen wird.

2. Eine Geschäftsbesprechung ist keine Geschäftsbesprechung

Die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ist in Japan wichtig. Wenn Sie japanische Geschäftsbeziehungen pflegen möchten, bedeutet das, dass Sie viel mehr Kundenbesuche einplanen sollten, als das in Europa als normal angesehen wird. Hier in Europa würde man es in vielen Fällen als Zeitverschwendung, für Sie und Ihren Kunden, ansehen, wenn Sie den gleichen Kunden jeden Monat besuchen. Aber in Japan ist es ein notwendiger Teil der Verkaufsstrategie.

Business as usual

Das bedeutet nicht, dass jede Geschäftsbesprechung sich auch wirklich auf das Geschäft bezieht. In der japanischen Geschäftswelt gibt es mindestens drei Arten von Treffen. Zuerst einmal gibt es aisatsu, ein soziales Treffen zum Kennenlernen, das eine Verbindung mit der Person aufbauen soll, mit der Sie Geschäfte machen möchten.

Eine weitere Variante, die auch sehr gut außerhalb des Büros stattfinden kann, ist nemawashi. Diese Variante eines Treffens zielt darauf ab, einen Konsens mit allen an der Besprechung beteiligten Personen zu einem Geschäftsvorschlag zu finden, bevor dieser Ihren Vorgesetzten vorgestellt wird. Wenn Sie eine tolle Idee haben und diese Ihrem Management vorstellen möchten, sollten Sie das erst vor allen tun, wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Nemawashi bezieht sich auf kleine Treffen zwischen Kollegen, bei denen man mögliche Probleme angeht und eine Geschäftsidee vorbereitet.

Japaner sind in der Geschäftswelt normalerweise sehr formal, aber das Konzept der Nominication (von nominasu, dem japanischen Wort für trinken + Kommunikation) ermöglicht ihnen, sich aus der Deckung zu wagen und emotional zu sein. Zum Trinken oder für Karaoke auszugehen, ist ein wichtiger Bestandteil des japanischen Bindungsrituals. Wenn Sie also das Vertrauen Ihres potenziellen Geschäftspartners gewinnen möchten, sollten Sie zusammen etwas trinken gehen und Ihre inneren Gefühle zeigen.

3. Werden Sie zum höflichen Superhelden

Höflichkeit ist in der japanischen Kultur extrem wichtig. Für Japaner ist Höflichkeit ein Zeichen des Respekts. Es geht darum, nicht die Unterhaltung zu dominieren und sich der Gefühle der anderen Person bewusst zu sein. Angehörige westlicher Kulturen sollten sich bewusst sein, dass Höflichkeit tief in der japanischen Kultur verwurzelt und sehr komplex ist. Im Vergleich mit vielen westlichen Gewohnheiten sind die Japaner sogar höfliche Superhelden.

Aber es geht noch weiter als das. In Japan sind unterschiedliche Ebenen der Höflichkeit fast unterschiedliche Sprachen. Man kann zwischen mindestens drei Arten der Höflichkeit unterscheiden. Zuerst einmal gibt es teineigo, die Standardsprache, die normalerweise auch im Fernsehen gesprochen wird. Das ist auch die Sprache, die Ausländer lernen.

Die nächsten beiden Formen sind bescheidene und ehrende Sprache. Das ist die Sprache, die man normalerweise bei Geschäftsgesprächen zwischen Untergebenen und Vorgesetzten hört oder in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung. Der Untergebene spricht bescheiden über sich selbst und ehrend mit seinem oder über seinen Vorgesetzten.

Es gibt feste Regeln, nach denen Verben entsprechend diesen drei Formen der höflichen Sprache konjugiert werden. Das Schwierigste daran, die ehrende und bescheidene Sprache zu lernen, besteht aber darin, dass eine Reihe von Wörtern unterschiedliche Verben für die ehrenden und bescheidenen Formen haben.

Der Gaijin-Joker

Können Sie uns noch folgen? Machen Sie sich keine zu großen Sorgen, wenn Sie denken, dass diese kulturellen Unterschiede komplex sind. Ausländer können im Allgemeinen den Gaijin-Joker spielen. Als Ausländer (gaijin) wird man Ihnen kulturelle Unwissenheit sofort vergeben, sodass es möglich ist, bestimmte japanische soziale Regeln zu übergehen, die Ihnen unangenehm sind. Für Japaner ist es teilweise einfacher, dem anderen die Hand zu geben, als mit unangenehmen Verbeugungsversuchen der Ausländer konfrontiert zu werden.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie als Ausländer in Japan nicht Ihr Bestes geben sollten. Ein einfacher Tipp für Sie: Beim Abendessen das letzte Korn Reis zu essen, macht einen wesentlich besseren Eindruck auf Ihre japanischen Freunde und Kollegen als eine unbeholfene Verbeugung.

Essen Sie Ihren Reis

Seien Sie gespannt auf mehr

So viel zu den sozialen Ge- und Verboten. In der zweiten Folge dieser Blogserie werden wir auf einige Eigenheiten der japanischen Sprache eingehen.